Bewegungsapparat

Wenn der Rücken schlappmacht

Autor: Tobias Lemser

Wenn der Rücken schlappmacht

Frauen leiden häufiger an Kreuzschmerzen als Männer. Welche Gründe es dafür
gibt und warum ein MRI nicht allein für eine exakte Diagnose ausreicht.

Es ist die Volkskrankheit Nummer eins in der Schweiz: Rückenschmerzen. Rund 80 Prozent der Erwachsenen leiden laut der Rheumaliga Schweiz im Laufe ihres Lebens einmal oder wiederholt darunter. 

Frauen sind von diesen Schmerzen, die sich vor allem auf die Kreuz- und Lendengegend konzentrieren, besonders betroffen –
was auch an den Besonderheiten des weiblichen Körperbaus liegt. Denn durch die Fähigkeit, Kinder auszutragen und zu gebären, wird die Statik im Rücken beeinträchtigt. Hintergrund: Um das Gleichgewicht bei der aufrechten Körperhaltung zu unterstützen und gleichzeitig den – gegenüber dem Mann – schwächeren knöchernen Stützapparat auszugleichen, ist ein gutes Zusammenspiel aller Muskelgruppen nötig. Wird dieses Muskelspiel jedoch etwa durch Überdehnung gestört, kann es durch Überbeanspruchung anderer Muskeln schneller zu Abnützungserscheinungen als beim Mann kommen. 

Exakte Diagnose erleichtert Therapie

Um Rückenschmerzen richtig behandeln zu können, braucht es eine klinische Untersuchung. Eine zusätzliche Stütze kann das MRI sein. Wichtig jedoch: Trotz neuester und bestmöglicher Aufnahmen sollten bildgebende Verfahren nicht allein den Ausschlag darüber geben, wie die Therapie letztlich aussieht. Gerade bei jüngeren Patienten sieht man häufig bereits Veränderungen an der Wirbelsäule, obwohl bis dato noch keine Schmerzen aufgetreten sind. Umgekehrt gibt es jedoch auch Patienten, die grosse Beschwerden haben, ohne Auffälligkeiten im MRI zu haben.

Heisst also: Anstatt anhand von Bildern zu operieren, sollten in jedem Fall die Bedürfnisse des Patienten im Mittelpunkt stehen. Und wer sich unsicher ist, sollte sich eine Zweitmeinung einholen – der beste Weg, um einen erfolgversprechenden Therapieplan erstellen zu können

veröffentlicht: 02.06.2020