Stress

Raus aus der Stress-Spirale

Autor: Nadine Effert

Immer mehr Menschen, vor allem mehrfachbelastete Frauen, fühlen sich gestresst und unter Strom. Doch Vorsicht: Wer nicht rechtzeitig die Reissleine zieht, gefährdet seine körperliche und psychische Gesundheit.

Fakt ist: Moderne Frauen leisten viel, wollen sie denn auch viel. Dabei spielen Ansprüche an sich selbst, aber auch gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle. Der Spagat zwischen Familie, Job, Freunden, Ich-Sein ist mehr als eine akrobatische Übung. Wer nicht aufpasst, gerät ins Wanken und auf Dauer in einen Strudel aus Überforderung, Selbstzweifel und Stress. «Andere Frauen bekommen das doch auch hin. Wieso ich nicht?» – ist dann ein schnell aufkommender Gedanke. Aber ist das wirklich so? Sind wir als Teil der modernen Gesellschaft nicht irgendwie alle mehr oder weniger gestresst?

Stress nimmt zu

Vor allem der Stress am Arbeitsplatz hat zugenommen. Dies belegt unter anderem eine Umfrage aus dem letzten Jahr im Auftrag der Gewerkschaft Travel
Suisse. Laut der Befragung fühlen sich 42,3 Prozent der Befragten durch die Arbeit «oft» oder «sehr häufig» gestresst, 2015 waren es 40,4 Prozent. Alarmierend sei für Travel Suisse ein weiterer Trend respektive die Antworten auf die Frage: «Wie häufig fühlen Sie sich am Ende eines Arbeitstages emotional erschöpft?». Im Jahr 2015 hatten 8,3 Prozent der Befragten «sehr häufig» gesagt, in 2019 waren es bereits 13,2 Prozent. Eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern gibt es hier nicht. Dafür hat die deutsche Techniker Krankenkasse (TK) sich den Stress der Frauen einmal genauer angeschaut. 

Die Befragung hat zutage gebracht, dass Frauen nicht mal unbedingt berufstätig sein müssen, um sich am Limit zu fühlen. Denn: 40 Prozent der Hausfrauen sind genauso gestresst wie Manager, so ein Ergebnis.

Die Rolle der Stress-Hormone

Doch was passiert bei Stress im Körper? Und ab wann wird er gefährlich? In stressauslösenden Situationen kommt der Hypothalamus als zentrale Schaltstelle im Gehirn für die Ausschüttung von Hormonen ins Spiel. Für die Stressreaktion setzt er eine ganze Kaskade von Hormonen in Gang. Von zentraler Bedeutung ist dabei das Stresshormon Cortisol, das die Energieversorgung des Gehirns sicherstellt. Zum anderen sorgen die Hormone Noradrenalin und Adrenalin dafür, dass unser Blutdruck ansteigt und nicht unmittelbar überlebenswichtige Funktionen, wie die Verdauung, unterdrückt werden. Dadurch wird der Körper auf eine Kampf- oder Fluchtsituation eingestellt. 

Folgen des Hormonungleichgewichts

Doch bekanntlich müssen wir heutzutage weder als Kämpferin gegen Feinde antreten noch müssen wir vor etwas, etwa einem Bären, die Flucht ergreifen. Uns fehlt also im Alltag die körperliche Gegenreaktion, welche unsere Stresshormone wieder normalisieren lassen. Die Folge: Unser Körper befindet sich bei anhaltendem Stress in einer ständigen Aktivierung, was ihn an seine Belastungsgrenze bringt und deutliche gesundheitliche Spuren hinterlässt. Die Liste ist lang: von einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, über Burn-out, Depression und Gedächtnisschwächen, bis hin zu Hörsturz, Sodbrennen, Diabetes und Schlafstörungen. 

Frühzeitig gegensteuern

Trotz der enormen Risiken wird anhaltender Stress oftmals unterschätzt. Wichtig ist: Wer bestimmte Stresssymptome über einen längeren Zeitraum an sich feststellt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ansonsten gilt: sich öfters mal Auszeiten gönnen, sich regelmässig in Entspannungstechniken wie Yoga und Meditation üben, öfters mal «Nein» sagen oder die Nerven mit dem Guten aus der Natur wie Lavendel, Baldrian, vitaminreiche Kost oder Mineralsalze unterstützen – um nur einige sanfte Anti-Stress-Massnahmen zu nennen.

veröffentlicht: 26.06.2020