Brustkrebs

Mehr Gewissheit für die Therapie

Autor: Nadine Effekt

Mehr Gewissheit für die Therapie

Auch wenn die Heilungschancen sich immens verbessert haben, steht bei Brustkrebs die Frage im Raum «Chemo – ja oder nein?». Im Frühstadium der Erkrankung ist sie nicht immer einfach zu beantworten. Klarheit kann ein spezieller Prognosetest verschaffen. 

Rosa S. ist 42 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern, glücklich mit ihrem Mann verheiratet. Alles lief in geordneten Bahnen, bis zu jenem Tag im August, an dem für einen Moment die Welt stehen zu blieben schien. Zuvor hatte sie beim Duschen einen kleinen Knoten in der rechten Brust entdeckt, suchte ihre Gynäkologin auf. Die Ärztin bestätigte den furchtbaren Verdacht. Rosa S. erhielt die Diagnose Brustkrebs im Frühstadium. Sofort schossen ihr Fragen durch den Kopf: Wie schlimm ist es? Wie sage ich es meinen Kindern? Muss ich mich einer Chemotherapie unterziehen? Muss ich sterben? Diese mit Angst besetzten Fragen kennen auch die anderen rund 6‘200 Frauen in der Schweiz, die jährlich neu an Brustkrebs erkranken. 

Verbesserte Heilungschancen

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen: Laut Krebsliga Schweiz entfällt fast ein Drittel der Krebsdiagnosen auf das sogenannte Mammakarzinom. Obwohl das Risiko nach dem 50. Lebensjahr deutlich ansteigt, betrifft die Krankheit auch jüngere Frauen: 20 Prozent aller Patientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre. Jedes Jahr verlieren hierzulande knapp über 1’300 Patientinnen den Kampf gegen die heimtückische Krankheit, wobei die Sterberate, vor allem in den letzten zehn Jahren, gesunken ist. Der Grund: Die Heilungschancen haben sich dank besserer Früherkennung, moderner Therapiekonzepte, wie zum Beispiel der Antihormontherapie, und der interdisziplinären Betreuung in spezialisierten Brustzentren enorm verbessert. Und: Nicht immer ist heutzutage eine Chemotherapie mit Zytostatika nötig. 

Therapieempfehlung oft unklar

Bei Patientinnen mit frühem Brustkrebs kann der Tumor oft durch eine Operation vollständig entfernt werden. Häufig findet zusätzlich eine Strahlentherapie statt. Die Behandlung mit Zytostatika kommt mitunter nach der Entfernung des Tumors zum Einsatz, um das Rückfallrisiko zu reduzieren. Doch ist die Entscheidung für oder gegen diese für die Patientin stark belastende Behandlung für Ärzte in geschätzt 35 Prozent der Fälle pro Jahr nicht eindeutig zu klären. Was soll man als Betroffene also tun, wenn die Empfehlung nicht eindeutig ist? Wer möchte sich schon unnötig den teils starken Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Unfruchtbarkeit oder vorzeitige Wechseljahre aussetzen? Die Lösung kommt hier in Form eines Biomarker-Tests. 

Entscheidungshilfe Biomarker-Test

Biomarker-Tests analysieren bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium die Aktivität von verschiedenen Genen in den Krebszellen. Aus dem Ergebnis wird das Risiko für eine Rückkehr des Tumors und somit eine eindeutigere Empfehlung für oder gegen eine Chemo abgeleitet. Die Kosten für den Test werden in der Schweiz von den Kassen übernommen. Die Erstattungspflicht wurde neulich bis Ende 2023 verlängert. Allerdings kommt der Test nicht für jede Brustkrebs-Patientin infrage: Voraussetzung sind bestimmte Eigenschaften des Tumors. Er muss zum Beispiel empfindlich für Hormone wie Östrogen und Progesteron sein, darf aber keine Andockstellen für Wachstumsfaktoren aufweisen. Zudem sind Kriterien wie Grösse des Tumors, Wachstumsgeschwindigkeit und Alter der Patientin von Bedeutung. Dennoch erspart der Test Jahr für Jahr vielen Frauen die Chemotherapie, wie auch Rosa S., die inzwischen über dem Berg ist.

veröffentlicht: 26.06.2020