Alkoholsucht

«Alkoholsucht ist ein Symptom mit einer persönlichen Geschichte»

Im Interview: Priska Eigenmann | Branded Content

Zurück in ein Leben ohne Alkohol – das ist das Ziel der Alkoholkurzzeittherapie der PSA des Spitals Wattwil. Das Angebot ist schweizweit einzigartig und hat sich seit über 30 Jahren bewährt.

Kontakt

Spital Wattwil

Alkoholkurzzeittherapie PSA

Priska Eigenmann

Telefon: 071 987 32 50

E-Mail: psa@srft.ch

Web: www.alkoholtherapie.ch

«Alkoholsucht ist ein Symptom mit einer persönlichen Geschichte»

Frau Eigenmann, trinken Frauen anders als Männer?

Das Trinkverhalten der Frauen ist tatsächlich anders, was unter anderem an der repressiveren Rollenerwartung bezüglich Alkoholkonsum bei Frauen liegt. Frauen trinken eher zu Hause im Verborgenen, Männer oftmals auswärts und in Gesellschaft. Auch die Motivation für den Konsum ist unterschiedlich. Bei Männern greift eher das Belohnungssystem oder es geht um eine Aufwertung des Selbstwertgefühls. Bei Frauen steht das Dämpfen und Vergessen von negativen Gefühlen im Vordergrund.

 

Woran erkenne ich, dass mein Alkoholkonsum riskant ist?

Die Entwicklung der Abhängigkeit ist ein schleichender Prozess. Problematisch ist das Trinkverhalten spätestens dann, wenn Sie bemerken, dass Sie Ihre Probleme immer häufiger mit Alkohol «lösen» und Sie dafür immer mehr Alkohol konsumieren müssen. Dann sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Als erste Anlaufstelle bieten sich die Suchtberatungsstellen oder auch der Hausarzt an.

 

Eine Sucht betrifft auch immer das Umfeld. Stichwort Co-Abhängigkeit. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Die Familie, insbesondere Partner oder Partnerin, ist Teil des Suchtsystems. Sie passen ihr Verhalten dem Suchterkrankten an. Diese Co-Abhängigkeit kann in drei Phasen eingeteilt werden. In der Phase der Entschuldigung versucht man sich selbst über die Realität hinwegzutäuschen. In der Kontrollphase werden dann Suchtmittel versteckt, Belohnungen in Aussicht gestellt. Es kommt zu Auseinandersetzungen, nach aussen aber wird die Fassade noch immer gewahrt. Schliesslich folgt die Anklagephase voller Vorwürfe. Personen aus dem Freundeskreis werden einbezogen, Trennungsabsichten werden geäussert. Der Druck auf den Abhängigen, einen Veränderungsprozess einzuleiten, steigt.

Wer kann den Entscheid zur Therapie beeinflussen?

Letztlich zählt vor allem der Wille und die Aktivität des Betroffenen. Das private, familiäre aber auch das berufliche Umfeld können jedoch einen massgebenden Einfluss darauf haben.

Kommen wir auf Ihr Therapieangebot zu sprechen. Was ist das Besondere daran?

Das Spital Wattwil bietet eine ganzheitliche, systemische, lösungsorientierte stationäre Therapie an, die nur vier Wochen dauert. Start und Ende des Programms sind festgelegt und dieses findet in einer geschlossenen Gruppe aus maximal sieben Patienten statt. Dies ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Suchtverhalten in einem sicheren Rahmen. Wenn immer möglich beziehen wir auch das soziale Umfeld mit ein, etwa den Partner oder jemanden von der Arbeit.

Warum ist ein ganzheitlicher Ansatz so wichtig?

Der Mensch und seine Lebensgeschichte müssen ins Zentrum gestellt werden. Was könnte der Auslöser für die Suchtentwicklung sein? In welchen Situationen greift jemand zu Alkohol? Was versucht die Person damit zu kompensieren? In der Therapie wird der Zusammenhang zwischen Lebensgeschichte und Suchtentwicklung erarbeitet. Darauf basierend können Lösungen erarbeitet und erprobt werden. Das Ziel ist eine nachhaltige Verhaltensveränderung. Dazu wird eine Lebens- und Freizeitgestaltung erlernt, die einen Konsum weniger wahrscheinlich macht. Und es werden Strategien für den Umgang mit Suchtverlangen, Emotionen und Stress entwickelt.

Ist die Gefahr nicht gross, dass Betroffene zurück im Alltag einen Rückfall erleiden?

Der Weg aus der Abhängigkeit ist ein Prozess, zu dem auch Rückfälle gehören können. Diese müssen als Lernfelder betrachtet werden. Daher legen wir grossen Wert auf eine weitere ambulante Betreuung, die bereits während des Aufenthaltes geplant wird, sowie auf den Einbezug des Umfelds.

Alkoholkurzzeittherapie PSA

In der Psychosomatischen Abteilung (PSA) des Spitals Wattwil bietet die Spitalregion Fürstenland Toggenburg Menschen mit Alkoholproblemen seit 33 Jahren eine ganzheitlich ausgerichtete und lösungsorientierte stationäre Kurzzeittherapie von vier Wochen an. Die PSA ist nach den Standards des Qualitätssiegels QuaTheDA (Qualität, Therapie, Drogen, Alkohol) zertifiziert – seit 2002 und in diesem Jahr zum sechsten Mal für weitere drei Jahre. Bei Fragen rund um den Alkoholkonsum bietet die unentgeltliche Sprechstunde Unterstützung. Das kostenlose Angebot steht Betroffenen, Angehörigen, Arbeitgebern und Interessierten offen. Terminvereinbarung unter T: 071 987 32 50

veröffentlicht: 04.12.2020